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Start NEWS Die Naturwesen sind zurück

Das Leben der Anderswelt drang wieder ins Bewusstsein der Menschen, und die Naturwesen wurden wieder zu einem Bestandteil ihres Lebens. Die Elfen siedelten wieder in den Gärten der Menschen, und die Feen bewohnten wieder die Seen und Flüsse. In den Bergen wohnten wieder Elementarwesen, und der magische Geist der Natur begann die Kinderherzen der menschlichen Völker wieder zu erfrischen. Die Geschichten von Magiern und Zauberern und der Anmut der Anderswelt erfüllten wieder das Bewusstsein der Menschen, auch wenn nur wenige diese Wesen sehen konnten. Aber weitaus mehr konnten ihre Gegenwart spüren.

Auszug aus dem Buch "Die Prophezeiungen des Kristallschädels Corazon de Luz" von Karin Tag

Zum Download kostenfrei
Kartenset von den fünf Tuschezeichnungen für 4,50 Euro
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Die traurige Elfe (Tuschezeichnung)


Es war einmal eine kleine Elfe. Sie saß traurig, mit gesenktem Kopf, auf einer weißen Margerite, inmitten unzähliger blühender Blumen.

Nicht weit  davon entfernt spielten einige Kinder Ball. Vergnügt ließen sie sich in die bunte Pracht fallen. Keines von ihnen bemerkte die Elfe. Verena, das jüngste Mädchen, mit den großen, blauen Augen und den blonden Locken konnte den Ball noch nicht fangen. Er fiel weit hinter ihr ins  Gras. Ärgerlich lief sie auf den Ball zu. Sie bückte sich und blieb wie erstarrt in der Hocke. Mit aufgerissenen Augen und offenem Mund stierte sie fasziniert auf eine Blume. Ihr großer Bruder Peter rief nach ihr: „ Verena, komm jetzt endlich, wir brauchen den  Ball!“ In ihrem Staunen hörte sie ihn nicht  und so kamen nach und nach alle Kinder zu  ihr  gelaufen, um zu sehen, ob ihr etwas zugestoßen war.

„Verena, was hast du, bist du etwa verletzt?“, fragten sie durcheinander. „ Nein, nein“, rief sie begeistert, „da, seht ihr denn die Elfe nicht?“ „Ich glaube du träumst!“, erwiderte ihr großer Bruder nüchtern. “Wo soll sie denn sein?“, fragten die andern Kinder neugierig. Verena  zeigte auf die Margerite. „Ja, jetzt sehe ich sie auch. Schaut mal, sie ist ganz winzig. Und die kleinen Flügelchen“, freute sich ein Mädchen. Die kleine Elfe hob langsam den Kopf und fragte mit leiser, klarer  Stimme: „Was, ihr könnt mich sehen?“ „Ja, wir können dich sehen und hören“, sprudelten die Kinder heraus. „ Dann ist doch nicht alles verloren“, flüsterte die Elfe hoffnungsvoll vor sich hin. „Wieso verloren?“, fragte ein älterer Junge. „Ich werde es euch erklären“, antwortete sie“, setzt euch ins Gras und hört mir zu.

Gespannt lauschten die Kinder den Worten des kleinen Wesens. „Es war vor langer Zeit“, begann die Elfe zu erzählen, „alle Elfen, Wichtel und Zwerge waren für die Menschen sichtbar. Aber die Menschen misshandelten uns, weil wir so klein waren und uns nicht wehren konnten. Wir haben viele Jahre alle Qualen hingenommen. Eines Tages haben wir  Gott darum gebeten, uns unsichtbar zu machen, sodass die Menschen uns nicht mehr sehen und quälen konnten. Nur diejenigen, die Liebe in ihren Herzen trugen, sollten uns weiterhin wahrnehmen dürfen. Diesen wollten wir auch weiter unsere Hilfe gewähren. Er hat uns diesen Wunsch erfüllt. Seitdem leben wir friedlich in den Wäldern und Wiesen. Da uns ein großer Teil der Menschheit jetzt nicht mehr sehen kann, hat sie auch den Glauben an uns verloren. Die Elfe unterbrach kurz und weinte jämmerlich.

Mitfühlend fragte Verena: „ Wie können wir euch denn helfen?“ „Wollt ihr das wirklich für uns tun?“, fragte das zarte Wesen nun hoffnungsvoll und wischte sich die letzte Träne aus ihrem Gesichtchen. „Wisst ihr“, begann sie weiterzuerzählen, „eine Elfe ohne Aufgabe ist sehr traurig . Sie kann nur den Menschen Hilfe leisten, die an Elfen glauben. Davon gibt es aber nicht mehr viele und so verkümmern immer mehr von uns. Ihr müsst dafür sorgen, dass die Menschen wieder wissen, dass es uns gibt. Trommelt möglichst viele zusammen. Sie alle sollen ihre Herzen öffnen und in den Himmel rufen: „Es gibt Elfen, Zwerge und Wichtel!“ „Na, wenn es weiter nichts ist“, sagte der älteste Junge, „das schaffen wir schon. “Die Elfe verabschiedete sich und rief den Kindern hinterher: „Ich glaube an euch! Viel Glück!“ Die Buben und Mädchen liefen in verschiedene Richtungen davon und gaben ihr Bestes.

Am Abend saß die Elfe auf einem Stein, um von dort oben zu sehen, ob sich schon etwas tut. Auf einmal hörte sie ein Geräusch. Es wurde lauter und lauter. Tausende von Menschen kamen angelaufen und riefen in den  Himmel: „Es gibt Elfen, Zwerge und Wichtel!“ Die Elfe freute sich so sehr, dass sie wieder anfing zu tanzen und Dutzende erwachten mit ihr zu neuem Leben. Die Zwerge und Wichtel spazierten in Scharen am Waldboden entlang. Die Menschen tanzten glücklich mit den kleinen Wesen, denn jetzt hatten sie ja wieder Helfer.





Wassernixe Esmiralda

Es war einmal eine kleine Wassernixe. Sie trug stolz den Namen Esmiralda und war ein glückliches Wesen. Sie planschte in ihrem Waldsee und freute sich über die Sonnenstrahlen, die das Wasser erwärmten.

Die Aufgabe der Nixe war es, auf den Teich und die Bewohner der Umgebung aufzupassen. Sie nahm ihre Aufgabe sehr ernst. Jeden Tag sprach sie mit dem Schilf und den Wasserpflanzen, sodass diese schön gedeihen konnten. Liebevoll kümmerte sie sich um alle Lebewesen und hatte stets ein offenes Ohr für ihre Nöte. Eines Tages kam ein Frosch ganz aufgeregt zu ihr und schrie: „ Esmiralda, Esmiralda, wo bist du ? Ich muss dich dringend sprechen!“ „Nun mal langsam. Was ist denn passiert?“, beruhigte ihn die Nixe. Der Frosch war ganz außer Atem und musste  erst einmal tief Luft holen, bevor er erzählen konnte. „Die Menschen wollen unseren Teich zuschütten, sie brauchen den Platz für neue Häuser!“, berichtete er. „ Was? Sie wollen uns unser Zuhause wegnehmen?“, fragte Esmiralda entsetzt nach. „ Ja, ja, so ist es“, schimpfte der Frosch und hüpfte dabei nervös von einer Seerose auf die andere, „du musst dir schnell was einfallen lassen!“

 Schwermütig setzte sich die Nixe an das Seeufer und schaute in das Wasser: „Alleine werden wir das wohl nicht schaffen“, überlegte sie ernst, „ wir brauchen Hilfe von den Engeln.“ Sie sprang auf und rief laut in den Himmel: „Liebe Engel, wir brauchen euch jetzt!  Kommt schnell herbeigeeilt!“

Der Hilferuf kam sofort an und wenig später versammelten sich Hunderte leuchtender Wesen in dem Waldstück. Der See glitzerte jetzt, als hätte ihn jemand von der Tiefe aus mit Wunderkerzen angezündet. „ Danke, dass ihr so schnell gekommen seid“, sprach Esmiralda hoffnungsvoll. „Dafür sind wir ja da. Wir beschützen alles Leben und fördern Entwicklung“, antwortete einer der Engel demütig.

Es wurde nun gemeinsam beraten, wie sie jetzt vorgehen würden. Ein kleiner Engel namens Jakob hob die Hand und schlug vor: „Ich werde jetzt zu dem Verantwortlichen fliegen und ihn davon  überzeugen, dass die Menschen die Natur brauchen!“ Alle nickten und so machte sich Jakob sofort auf den Weg.

Herr Taler saß arbeitswütig an seinem Schreibtisch und rechnete gerade nach, wie viel Geld ihm die neuen Gebäude einbringen würden. Jakob flüsterte ihm ins Ohr: „ Hallo, ich bin ein Engel! Hör zu, du darfst nicht zulassen, dass der Teich eine Baustelle wird. Die Bewohner dieses Stückchen Erde schicken mich. Ihr Menschen braucht die Natur und somit auch die Lebewesen, die sonst sterben würden. Überlege dir eine andere Lösung, ich bitte  dich im Namen Gottes darum!“

Herr  Taler saß erst mal wie versteinert in seinem Sessel. „ Was war das, ich habe doch eben deutlich eine Stimme vernommen?“, fragte er sich ungläubig und zweifelte schon an seinem Verstand. Als er  sich wieder gesammelt hatte, dachte er nach:    „Eigentlich hat der Engel ja Recht. Wenn  so weitergebaut wird, gibt es bald kein Stück Natur mehr.“ So entwarf er die ganze Nacht über einen neuen Plan. Den zeigte er am nächsten Tag dem Bürgermeister Gutfried und erklärte ihm, dass man die Natur nicht weiter so maßlos zerstören dürfe. „ Meine Hochachtung“, sagte Gutfried erstaunt, „ auf so einen Vorschlag habe ich schon lange gewartet! Ich werde Sie dafür fürstlich  entlohnen!“

Stolz ging Herr Taler nach Hause. Jakob wartete schon auf ihn. „Siehst du, nur weil du eines aufgibst, musst du nicht gleich Schaden davontragen. Es kann auch ein Gewinn sein“, sprach der Engel zufrieden, „vielen Dank im Namen aller Teichbewohner!“ Schnell flog Jakob zurück zu Esmiralda und ihren Freunden, um die frohe Botschaft zu überbringen. Alle waren dankbar und glücklich und feierten ein Fest.

 




Der  Zwerg aus dem Druidenhain (Tuschezeichnung)


In einem dunklen Waldstück, dem Druidenhain, lebte einst ein Zwerg mit dem Namen Fritz. Lustig sah er aus, mit seinem grünen Mäntelchen und seiner langen, roten Zipfelmütze. Er musste ja schließlich etwas Besonderes tragen, denn er besaß mehr Kräfte als seine Freunde. Keiner wusste genau weshalb, jedoch nahm man an, dass die vielen großen Steine an diesem Ort, wenn man sie nur anfasste, der Grund dafür waren.

Heute war ein großer Tag für ihn. Das Zusammentreffen aller Zwerge und Elfen, welches einmal im Jahr hier stattfand.

Er machte sich fein und bereitete sich auf das heutige Thema vor: „Die Zukunft.“ Als er am Versammlungsplatz ankam, sprachen schon alle düster davon. „Die Menschen haben verlernt zu lieben, zu geben und sich gegenseitig zu respektieren“, sprach eine der Elfen traurig. „Ja, und das führt dann zu Hass, Neid und Aggression,“ fügte eine andere hinzu. „Das Schlimmste ist, dass sie den Glauben an sich selbst verloren haben!“, gab Fritz jetzt lautstark von sich. „Wir sollten alle Kraft, die wir hier tanken, dazu nutzen, um die Menschen zur Besinnung zu bringen!“, rief er jetzt seine Freunde auf. Die Zwerge und Elfen klatschten Beifall und machten sich auf den Weg.

Fritz  begegnete gleich am ersten Tag Tim, einem Schuljungen. „Das begreife ich nie“, schimpfte der  vor sich hin, „ich kann nichts und ich bin nichts! Selbst der Lehrer sagt das!“ Verzweifelt saß er auf einer Parkbank vor der Schule. Fritz setzte sich neben ihn und stellte sich vor. „ Wenn du nicht an dich selbst glaubst, wie kannst du dann erwarten, dass andere an dich glauben?“, fragte ihn der Zwerg dann. Verdutzt dachte Tim darüber nach: „ Du meinst, ich müsse nur mehr Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten haben?“ „Ja, du wirst sehen, dass sich mit dieser neuen Haltung dir selbst gegenüber vieles ändern wird!“, antwortete er ernst. „Also gut, ich werde es probieren und gehe gleich nach Hause, um meine Hausarbeiten zu machen. Das schaffe ich schon, Tschüss, kleiner Zwerg!“

Zufrieden pfeifend spazierte Fritz die Straße entlang. Eine Frau saß traurig am Wegrand und schluchzte: „Ich werde nie einen Mann finden, der mich heiraten wird! Naja, wenn ich mich so anschaue, wer will denn so eine wie mich?“ „Jeder ist auf seine Art schön und wertvoll. Wie soll dich denn ein anderer lieben, wenn du dich selbst nicht liebst?“, sprach er sie sanft an. „Wenn du dein Licht nach außen leuchten lässt, wirst du auch gesehen werden!“, rief er ihr liebevoll zu und streichelte sie. Die Frau fühlte sich schon sehr viel besser und spürte jetzt ein warmes Gefühl in ihrem Bauch. „Ja, ich kann schon viel“, öffnete sie sich langsam, „Kuchen backen, Geschichten erfinden und als ich jünger war, da habe ich sogar in einer Musikgruppe gesungen“. Ihre Augen leuchteten jetzt, als würde etwas längst Vergessenes wieder zum Leben erweckt worden sein. „Ich werde wieder Musik machen“, jauchzte sie und sprang auf, „und backen und Geschichten schreiben und ...“ Schon war sie weg.

Fritz war glücklich darüber, dass er den Menschen von seiner Liebe und seiner Kraft etwas abgeben konnte. Immer wieder begegnete er neuen, denen er Mut machen konnte.

Ein Jahr später trafen sich die mutigen Helfer wieder im Druidenhain. Jeder erzählte, auf was er die Menschen aufmerksam machte. „Gut“, fasste Fritz kurz zusammen, „du hast sie aufgefordert, sich für Gottes Antworten zu öffnen. Und du, du hast gesagt, sie sollen ihr Leben so einrichten, dass sie glücklich sind. Ich habe den Menschen Wege zu mehr Selbstvertrauen aufgezeigt. Ich glaube, wir können sehr zufrieden sein und wieder hoffnungsvoll in die Zukunft schauen“.

Sie fassten  sich an der Hand und tanzten befreit in den Abend hinein.
Wenn ihr bei der nächsten Wanderung sehr aufmerksam seid, liebe Kinder, könnt ihr vielleicht  einem dieser kleinen Wesen begegnen.

 




Lamira und Raischa

In einem friedlichen Land wohnten einst eine Fee mit dem bezaubernden Namen Lamira und ihre beste Freundin Raischa. Lamira war die Tochter des Königs, Raischa die Tochter seines Bruders. Da Lamira als schöne Prinzessin im Land die Bevorzugte war, beneidete Raischa ihre Kusine. Das veranlasste sie zu immer neuen Gemeinheiten.
 
Heute schmiedete sie einen neuen Plan. Raischa durfte in das Land fahren, in dem ihre Mutter aufgewachsen ist. Sie verweilte gerne an diesem Ort, denn sie hatte dort auch einen Freund Namens Moraj, der ihr oft half, Lamira eins auszuwischen. Vor der Abreise fragte Raischa die Prinzessin: „Willst du nicht mitkommen?“ Verwundert über diese Einladung sagte sie trotz einiger Bedenken zu.

Am nächsten Morgen begann die abenteuerliche Reise. Sie liefen den ganzen Tag, über Berge und weites Land. Am Abend saßen sie am Lagerfeuer und verzehrten ihren Proviant. Als sie fertig waren, legten sie sich zum Schlafen. In der Nacht rissen laute Geräusche Lamira aus dem Schlaf. Sie traute sich nicht, sich zu bewegen, hielt den Atem an und hatte Angst, dass irgendjemand ihr Herzklopfen hören könnte. Als die Geräusche verstummt waren, setzte sich Lamira auf und schaute sich um. Aber nichts war zu sehen. Raischa lag friedlich schlafend am Feuer. Lamira stand auf, schaute sich suchend um und lief eine Weile um das Lager herum. Plötzlich überkam sie ein Frösteln, wusste aber nicht weshalb. Eilig lief sie zum Feuer, legte Holz nach und setzte sich davor. Nach einer Weile war sie so in Gedanken versunken, dass sie nicht bemerkte, wie sich jemand anschlich. Erst als derjenige dicht hinter ihr stand, erschrak die Fee  sehr. Sie schrie laut auf und weckte damit Raischa.

Diese traute ihren Augen nicht. Ein wunderschöner junger Menschensohn stand vor Lamira  und sah sie nur lächelnd an. Raischa stand schweigend daneben und fragte sich,  was  das zu bedeuten hatte. Der Menschensohn unterbrach schließlich die Stille und sprach: ”Ihr braucht keine Angst vor mir zu haben, ich bin ein friedlicher Geselle. Ich bin auf der Suche nach meiner zukünftigen Frau. Darf ich die Nacht bei euch im Lager verbringen?” Lamira nickte und lächelte. Sie wusste nicht, dass ihr Lächeln das schönste war, das der Menschenjunge jemals gesehen hatte. Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, gingen sie schlafen.

Am nächsten Morgen erwachte Lamira als Erste. Sie stand leise auf, schlich sich zu dem Menschenjungen und betrachtete ihn eine Weile. Ein schönes Gefühl überkam sie. So etwas hatte sie noch nie zuvor erlebt. Auf einmal schlug er die Augen auf und Lamira wich erschrocken zurück. „Ich heiße Humai. Ich komme von der anderen Seite der Berge, dort wohnt unsere Familie. Mein Vater hat bestimmt, dass ich die Tochter seines reichen Freundes heiraten soll, aber ich werde nur aus Liebe heiraten. So habe ich meinem Vater vorgeschlagen, mir ein Jahr Zeit zu geben. Wenn ich bis dahin keine Frau gefunden habe, die ich liebe, werde ich die Ausgesuchte heiraten. Mein Vater war mit meinem Vorschlag einverstanden. Jetzt bin ich schon fast ein Jahr unterwegs und habe meine Liebe noch nicht gefunden!“

Lamira hat den Worten des Menschenjungen gelauscht und fühlte dabei etwas, das sie bisher nicht kannte. Seine Stimme klang wie die schönste Musik für sie. An seinen wunderschönen tiefblauen Augen konnte sie sich nicht sattsehen.

Zögernd begann sie, von sich zu erzählen: „Ich bin mit meiner Kusine Raischa unterwegs, wir besuchen die Familie ihrer Mutter.“ Beide wurden unterbrochen von Raischa: „Was habt ihr denn so Wichtiges zu besprechen, darf ich es auch erfahren?“ Humai sah die Neugierige an und antwortete: „Wir haben uns nur bekannt gemacht. Wenn ihr nichts dagegen habt, werde ich euch ein Stück eures Weges begleiten.“ Raischa gefiel er sehr gut, deshalb hatte sie nichts dagegen. Da sie aber bemerkt hatte, dass der junge Mann an Lamira Gefallen gefunden hat, war sie jetzt sehr eifersüchtig. „Wollen wir mal sehen“, dachte Raischa,“ wer hier die Schönste ist.“

Sie ging in ihr Zelt zurück, um sich besonders hübsch zu machen. Nach einer Weile waren alle fertig und sie konnten aufbrechen. Raischa überlegte, wie sie es anstellen sollt, dass sich der junge Mann für sie interessieren würde. Aber Humai hatte nur Augen für Lamira, sein Herz hatte die Entscheidung schon getroffen. Raischa täuschte ein Stolpern vor, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie hoffte, von Humai aufgefangen zu werden, doch dies tat er nicht. Raischa dachte angestrengt nach. Sie hatte nur noch eine Chance: Sie musste Lamira vergiften. Sie war die Beste im Kräutermischen, das wusste sie. Ab Abend, als sie ihr Nachtlager aufbauten, lief Raischa in den Wald, um ihre Kräuter zu suchen. Als sie alle beisammen hatte, versteckte sie sich hinter einem großen Baum, um den Gifttrunk zu mixen. Damit ging sie zurück ins Lager.

Die beiden saßen am Lagerfeuer und aßen das Kaninchen, das Humai erlegt hatte. Raischa setzte sich neben ihre Kusine und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich habe dir einen Trunk gemischt. Der wird dir helfen, dass Humai dich liebt und nur dich. Er wird niemals mehr eine andere anschauen. Ich habe doch gemerkt, dass er dir gefällt.“ Lamira hatte zwar gleich so ein komisches Gefühl, ignorierte es aber. „Ich danke dir, liebe Kusine, bitte verzeihe mir, dass ich manchmal so schlecht über dich denke. Ich weiß doch, dass du nur mein Bestes möchtest,“ sagte sie gutgläubig. Raischa lachte und dachte insgeheim: „Du kleine Närrin.“

Lamira nahm den Trunk und leerte den Becher in einem Zug. Humai hatte die beiden genau beobachtet. Er wusste nicht warum, aber auf einmal überkam ihn Angst. Er sprang auf und schrie: „Lamira, trinke nichts davon!“, aber es war schon zu spät. Es dauerte nicht lange und sie fiel ohnmächtig in Humais Arme. Der weinte erbärmlich: „Was hast du getan, warum hast du sie umgebracht?“ Raischa lachte laut und antwortete kalt: „Sie war immer die Schönste und Liebste, alle sprachen nur von ihr. Mich hat keiner beachtet, nur weil mein Vater nicht der König ist.“ Humai streichelte die blasse Lamira und schrie Raischa wütend an: „Dein Zaubertrank wird keine Wirkung haben, denn die Liebe wird immer siegen! Ich werde jetzt Lamira küssen und du wirst sehen, dass ich Recht habe. Denn ich bin der Sohn vom großen Zauberer Merlin.“ Er beugte sich über die Prinzessin und küsste sie zärtlich auf den Mund. Mit einem Mal schlug sie die Augen auf und fragte verwirrt: „Wo bin ich, was ist passiert?“ Humai schaute sie glücklich an und beruhigte sie: „Jetzt wird alles gut.“

Raischa traute ihren Augen nicht, sie konnte nicht glauben, was sie soeben gesehen hat. Sie fing an zu schreien und lief ziellos in den Wald hinein. Die beiden Verliebten rannten hinter ihr her, konnten sie aber nicht davon abhalten, sich in die Schlucht zu stürzen. Humai und Lamira hielten sich fest umschlungen und dachten beide das Gleiche: „Die arme Raischa, sie war in ihrem Leben nie glücklich und fühlte sich ungeliebt. Sie war sehr einsam, was aber ihre eigene Schuld war.“ Lamira und Humai machten sich auf den Weg zu Lamiras Vater. Heilfroh, dass seiner Tochter nichts passiert war, bedankte er sich bei Humai von ganzem Herzen. Eine Woche später feierten die beiden Hochzeit, alle Freunde waren eingeladen. Humai und Lamira saßen am Abend vor dem Haus und waren glücklich. Sie wussten, dass sie ihr Glaube an die Liebe immer verbinden wird, denn: DIE LIEBE WIRD IMMER SIEGEN.




Birte im Feenland

In einem entfernten Land, in dem alles glitzert  und Wünsche wahr werden, lebten einst die Feen Marietta und Paulina. Jedes Jahr im Frühling fand in diesem Feenland ein großes Fest statt. Die beiden waren sehr aufgeregt, denn heute durften sie das erste Mal mitfeiern. Schon von weitem hörten sie die wunderbaren Melodien, die das Elfenorchester des Ortes auf der Harfe spielte. Lustig aufgelegt schwebten sie hin und her und klatschten in die Hände.

„Jetzt kann der Tag, auf den wir uns so gefreut hatten, beginnen“, rief Marietta begeistert. Hand in Hand spazierten sie zur großen Festwiese. Was es da alles gab! Mit leuchtenden Augen schauten sie sich um. An einem Baum hingen kleine Törtchen und Bonbons, die man sich einfach abnehmen durfte. An einem anderen hingen Würstchen und Brote. Aus einem Blütenkelch konnte man Nektar schöpfen. Sie wussten gar nicht, wo sie beginnen sollten. „Lass uns doch erst einmal zu den Süßigkeiten gehen“, schlug Marietta vor. So nahmen sie einige der Törtchen weg, setzten sich unter den Baum und aßen. „Wasch war dasch“, fragte Paulina mit vollem Mund, „hast du das auch gehört?“ „ Ja“, antwortete ihre Freundin leise, „da weint doch jemand! Lass uns einmal nachsehen, wer da so traurig ist“
In einem Gebüsch entdeckten sie ein kleines Mädchen mit rotem, langem Haar. Es lag zusammengekauert am Boden und schluchzte. „Oh, ei- ein Menschenkind, wo es wohl herkommt?“, stotterte Paulina erstaunt und schaute Marietta fragend an.

„Hallo, kleines Mädchen“, sprach Marietta es jetzt einfach an, „ich bin Marietta und das ist Paulina. Wir sind Feen, du brauchst keine Angst zu haben.“ Das Mädchen hob langsam den Kopf. Mit zittriger Stimme fragte sie: „Könnt ihr mir helfen? Ich habe solchen Hunger, aber stehlen wollte ich nichts.“ „Na, wenn es weiter nichts ist“, sagte Marietta und packte die restlichen Törtchen aus, „hungern muss in unserem Lande niemand. Bitte schön!“ Nachdem das Mädchen die milde Gabe bis auf den letzten Krümel aufgegessen hatte, fing es an zu erzählen: „ Ich heiße Birte und lebe normalerweise in einem Waisenhaus.“ „Und wie hast du es geschafft, in unser Land zu kommen? Eigentlich können Menschen doch gar keinen Zugang zu ihm finden“, fragte Paulina neugierig. „Genau weiß ich es auch nicht“, versuchte Birte zu erklären, „aber ich habe mir ganz fest gewünscht, dass Gott mich an einen Ort führt, an dem es mir besser geht. Heute früh bin dann bei euch aufgewacht.“ „Na, da musst du in deinem Zuhause aber sehr unglücklich gewesen sein“, stellte Marietta fest und streichelte sie. „Ja, sehr“, murmelte sie traurig, „die Schwestern dort sind sehr streng. Wir müssen immer nur arbeiten. Keiner dort gibt uns die Liebe, die wir brauchen. Lachen und spielen dürfen wir auch nicht!“ „Das ist ja wirklich furchtbar“, schimpften Marietta und Paulina, „dagegen müssen wir etwas unternehmen!“ Die Feen nahmen Birte an der Hand und führten sie zum Festplatz.
„Alle mal herhören“, rief Marietta so laut sie konnte, „hier ist jemand, der unsere Hilfe braucht!“ Urplötzlich wurde es mucksmäuschenstill. Die Fee lief schnell in die Menge und es wurde getuschelt und geflüstert.

„Wir werden dich nach Hause begleiten. Wenn du morgen aufwachst, wird alles anders sein,“ berichtete Marietta. „Und wie soll das funktionieren?“, fragte Birte ängstlich nach. „Vertraue uns, wir machen das schon“, gaben die Feen zur Antwort. Etwas misstrauisch  willigte Birte schließlich ein und verabschiedete sich von den anderen.

So machten sich also Marietta, Paulina und  zwei weitere erfahrene Feen  mit Birte auf den Weg zum Waisenhaus. Sie durfte auf Mariettas  Rücken mitfliegen. „Von hier oben sieht alles so winzig aus“, quietschte sie vergnügt.

Als sie ankamen, wurden gerade die Lichter ausgeschaltet. „Ich bin gleich zurück“, sagte Marietta und schwebte in das Haus. Sie gab einige „Gewissenstropfen“ in den Tee der Schwestern und flog wieder hinaus. „Komm, kleine Birte, jetzt kannst du dich friedlich in dein Bett legen“, sagte ihre Beschützerin und brachte sie in ihr Zimmer. Sie umarmte sie nochmals liebevoll und verschwand.

In der Nacht hatten die Schwestern furchtbare Alpträume. Sie träumten, sie wären elternlose Kinder und wurden von solch kalten Frauen betreut, wie sie es selbst waren. Sie durften nicht spielen und auch nicht lachen. Kreidebleich wachten beide auf und wussten, dass dies eine Warnung war, denn sie hatten ja beide dasselbe geträumt.

Ängstlich ging Birte am nächsten Morgen in den Frühstücksraum. Die Vorsteherin saß wie immer am Ende des Tisches, nur war heute in ihrem Gesicht etwas Freundliches zu erkennen. „Kinder, wir müssen einiges ändern“, fing sie an, „was haltet ihr davon, wenn wir mehr Spielsachen und Farben anschaffen?“ Die Mädchen wussten zwar nicht, ob sie dies glauben sollten, klatschten dann aber voller Begeisterung. „Und Birte, kommst du nachher bitte zu mir?“, rief die Schwester dem Kind zu. „Oh je“, dachte Birte, „jetzt kommt doch noch eine Strafe für mein Verschwinden.“ Mit eingezogenen Schultern trottete sie vor. „Wo auch immer du gewesen sein magst, du hast Gutes mitgebracht“, sprach die Vorsteherin, „soll ich dir heute Abend eine Geschichte vorlesen?“



Engel des Wassers (Tuschezeichnung)


Auf einem Bauernhof, der weit weg vom nächsten Dorf lag, lebte einst die Familie Lieblich. Der Vater Jonathan hatte alle Hände voll zu tun, denn er musste seine vier Kinder Jan, Heiko, Miriam  und die kleine Lena ernähren, nachdem seine Frau ihn verlassen hatte. Die Leute nannten den Hof auch „Das rote Meer“, da in dem üppigen Garten nur rote Blumen wuchsen. Selbst im Hause waren nur die Möbel braun, alles andere war rot. Es war die Lieblingsfarbe seiner Frau.

„Es wird immer schlimmer mit ihm“, flüsterte die Magd während des Kochens dem Knecht zu, „der Bauer ist so kalt und hart, er wird noch einmal selbst daran kaputt gehen“. „Da hast du Recht“, stimmte ihr der Knecht zu, „es ist wirklich kein Wunder, dass ihn seine Frau verlassen hat.“

Gemütlich war sie ja, die Küche, mit der Eckbank aus Holz, dem alten Ofen und dem roten Sofa. Und immer duftete es einladend nach gutem Essen, denn kochen konnte die Magd hervorragend. Nur die Mutter konnte sie den Kindern nicht ersetzen. Die strahlte früher die notwendige Wärme aus, die den Raum zu einem wohligen Nest machte.

Der Herr des Hauses saß mit den Kindern beim Abendessen. Still und mit gesenktem Kopf stocherten sie im Essen herum. „Jetzt wird aber gegessen!“ befahl Jonathan herrisch und schlug mit der Faust auf den Tisch. Alle zuckten zusammen. Jetzt fing die kleine Lena, das Nesthäkchen, an zu weinen und rief trotzig: „Ich will zu meiner Mama! Dich mag ich nicht mehr. Du bist immer so böse!“ „Ja, das stimmt!“, brüllten ihre  Geschwister im Chor. Jan, Heiko und Miriam standen auf, nahmen Lena an der Hand und verließen die Küche.

Nein, das wollte er wirklich nicht. Jonathan liebte seine Kinder, war jedoch heute genauso unfähig, dies zu zeigen wie damals, als sich seine Frau über seine Gefühlskälte beschwerte und ihn schließlich verließ. Wie gelähmt saß er immer noch auf der Holzbank und dachte darüber nach, wie er das Herz seiner Kinder wieder gewinnen könnte. Er hatte keine Ahnung, wie er das anstellen sollte. Er beschloss,  erst einmal einen Spaziergang zu dem Waldsee zu machen, an dem er sich früher oft mit seiner Frau aufhielt.

Jonathan  setzte sich im Schneidersitz an das Seeufer und schaute in das klare, blaue Wasser. Lange betrachtete er sein Spiegelbild, das mal klar, mal verzerrt zu sehen war. In seinem Gesicht entdeckte er die tiefen Falten über seiner Nase und an den Mundwinkeln. „Nein, darin ist wirklich nichts Liebevolles zu erkennen“, sagte er jetzt einsichtig. Er wusste jedoch, dass tief in seiner Seele ein kleines, lustiges Kind wohnte, das sich nur nicht traute, herauszuschlüpfen. „Wenn ich nur jemanden hätte, der mir hilft, mich aus meinem eigenen Gefängnis zu befreien“, schluchzte er verzweifelt.
Er erschrak furchtbar, als er erneut in das Wasser schaute. Nicht sein eigenes, sondern ein freundliches Gesicht lächelte ihn an und sprach: „Gib mir deine Hand  und folge mir, ich werde dir helfen!“ „Nein, nein“, rief er aufgeregt, „ich habe Angst vor dir!“ „Du musst nicht ängstlich sein, ich bin ein Engel. Der Engel des Wassers. Nur wenn du mit mir kommst, kannst du dich heilen“, ermutigte er ihn.

Da er keine Wahl hatte, gab ihm Jonathan seine Hand und wurde unter Wasser gezogen. Der Engel brachte ihn zum Eingang einer Höhle. „Da! Schau genau hin!“, empfahl er ihm. Er sah einen kleinen Jungen und einen Mann. „Aber, das bin ja ich mit meinem Vater!“, rief er erstaunt. „Ja, hier spielt sich deine Vergangenheit ab“, sprach der Engel.

„Du musst groß und stark werden wie ich“, brummte sein Vater, „heule nicht dauernd herum!“ „Ich möchte aber mit dir spielen und kuscheln“, bat der kleine Jonathan seinen erbosten Vater.

Währenddessen liefen Herrn Lieblich bittere Tränen über das Gesicht. An diese Situation konnte er sich noch genau erinnern! Es war kurz  nach dem Tod seiner Mutter. Er war gerade einmal fünf  Jahre alt.

„Weißt du, lieber Engel des Wassers, wie mein Vater damals auf meine Bitte reagiert hat?“, fragte er ihn. „Nein, erzähle es mir,“ bat sein Helfer und nahm ihn freundschaftlich in den Arm. „Er gab mir eine Ohrfeige und brüllte, dass zu Spiel und Spaß jetzt keine Zeit wäre. Jungen dürften außerdem keine Gefühle zeigen. Sie bräuchten einzig und allein die Kraft, um zu arbeiten. So schickte er mich in den Stall, um dort auszumisten.“ Jetzt weinte Jonathan jämmerlich, wie damals, doch dieses Mal fühlte er sich angenommen. „Du hast ein Recht  auf deine Gefühle und auch das Recht, zu spielen“, liebkoste ihn der Engel und brachte ihn zurück an das Ufer.

„Du heißt zu Recht Herr Lieblich“, sagte er zum Abschied. Jonathan fühlte sich jetzt, als wäre er in einen Jungbrunnen gefallen. Er tanzte im Herbstlaub und warf es fröhlich um sich. „Danke, lieber Engel“, rief er glücklich, „ich werde jetzt mit roten Rosen zu meiner Frau gehen und sie um Verzeihung bitten und dann werden wir mit den Kindern spielen!“


 


Schutzengel Manuel

Jeder Mensch hat seinen Schutzengel. Er begleitet ihn sein ganzes Leben lang. Auch der kleine Manuel ist jetzt so ein Schutzengel.

Stolz bewegte er seine Flügel hin und her. Nach langer Zeit Engelsschule sollte er nun endlich seine erste Aufgabe bekommen. „ Du wirst jetzt der Schutzengel von Michael sein. Er ist sieben Jahre alt und sehr krank. Die meiste Zeit seines Lebens hat er im Krankenhaus verbracht“, sprach der Lehrer. Manuel hörte ihm gespannt zu. „Er ist sehr einsam, da seine Eltern nur am Geldverdienen  interessiert sind. Darüber hinaus haben sie vergessen, dass ein Kind auch Zuwendung braucht,“ erzählte der Engel weiter. „ Ja, dieser Bub braucht dringend Hilfe,“ antwortete Manuel, „ich werde mich gleich auf den Weg machen“. „Aber vergiss  nicht, nur Michael kann  dich sehen und hören!“, rief der Lehrer noch hinterher.

„Das kann ja was werden“, dachte Manuel während er zur Erde flog, „meine erste Aufgabe steht an und ich  habe noch keinen blassen Schimmer, wie ich das meistern kann. Aber irgendwie werde ich das schon schaffen, schließlich bin ich ja ein Engel!“

Als er im Krankenhaus ankam, lag Michael traurig im Bett und stierte gelangweilt auf den Fernseher. Der Glanz, den man sonst in Kinderaugen sehen kann, war ganz und gar verschwunden.

„Wenn ich nur nicht so alleine wäre, keiner will an meinem Bett sitzen“, dachte der Bub und knabberte an seinen Fingernägeln. Er träumte vor sich hin, bis er etwas auf seinem Bett bemerkte. Michael sah sich um, jedoch war niemand zu sehen. Manuel hatte vergessen, wie er sich bemerkbar machen konnte. „Was, wie war das wieder, was habe ich in der Schule darüber gelernt?“, dachte er hektisch nach. Etwas lauter plusterte er dann heraus: „ Ach ja, jetzt weiß ich es wieder!“ Michael hatte die Stimme genau gehört und fragte jetzt ängstlich: „Wer ist da?“ Manuel schaute ihm ins Gesicht und beruhigte ihn: „Ich bin es, dein Schutzengel Manuel, ich sitze direkt vor dir auf deinem Bett!“ Mit zitternder Stimme fragte der Junge: „Was muss ich tun, um dich zu sehen?“ „Du musst an mich glauben, tief in deinem Herzen“, gab der Engel zur Antwort.

Daraufhin versuchte Michael krampfhaft, sich einen Engel vorzustellen. „Flügel haben die doch und weiße Gewänder tragen sie“, fiel ihm dazu ein. Auf einmal sah er etwas hell  leuchten, das immer deutlicher zu erkennen war. „Ich kann dich sehen“, rief der Bub jetzt vor Freude. „Na endlich“, lachte Manuel, „das hätten wir geschafft!“ „Was machst du denn hier und wo kommst du eigentlich her?“, wollte Michael wissen. „Ich komme von einem Ort, an dem es nur Liebe, Wahrheit und Freude gibt. Ich soll dich hier beschützen und dafür sorgen, dass du nicht mehr so alleine bist“, erklärte ihm sein Schutzengel. Der Junge freute sich sehr, dass er jetzt jemanden ganz für sich hatte. Er erzählte den ganzen Abend von seinem Kummer und seiner Einsamkeit. Der Engel versprach,  sich ab sofort dafür einzusetzen, dass sich seine Eltern mehr um ihn kümmern. „Und außerdem hast du seit heute ja mich ein Leben lang an deiner Seite“, ermutigte er seinen Schützling.
Zwei Tage später staunten die Ärzte über Michaels Gesundheitszustand. Er hatte wieder rosige Wangen und es ging ihm so gut wie schon lange nicht mehr. Selbst seine Blutwerte hatten sich verbessert.

Nachdem sich Manuel auch nachts in die Träume von Michaels Eltern schlich und ihnen ins Gewissen redete, besuchten diese ihren Sohn nun öfter. Nach zwei Wochen konnte Michael entlassen werden. Sein  Schutzengel nahm ihn fest  in die Arme und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich freue mich sehr,  dass du jetzt gesund bist! Ich verspreche dir, immer bei dir zu bleiben, nur, sehen kannst du mich ab heute nicht mehr! Du kannst aber jederzeit mit mir sprechen. Du musst nur ganz tief durch dein Herz atmen und mich liebevoll rufen“.

„Ja, das werde ich tun, ich werde dich nie vergessen. Vielen Dank mein lieber Freund“, rief Michael so laut, dass seine Mutter es hören konnte. „Mit wem hast du denn eben gesprochen?“, fragte sie und packte den Koffer ihres Sohnes. „Mit dem lieben Gott natürlich“, gab er schmunzelnd zur Antwort und verließ das Krankenzimmer.




Miriana und Nemu

In einem entfernten Land wohnten einst Feen und Zwerge. Beide Völker lebten in ihrer eigenen Welt und so war es unvorstellbar, dass sich Zwerge mit Feen unterhielten, geschweige denn eine zu heiraten.

Eines Tages jedoch geschah das Unmögliche: Die Fee Miriana und der Zwerg Nemu verliebten sich ineinander. Sie wollten es geheim halten, doch dann kam alles heraus. Ein alter Zwerg  hatte die beiden gesehen, als sie im Wald spazieren gingen.

Als Miriana  und Nemu zurückkamen, herrschte ein großes Durcheinander. Aufgeregt riefen alle Zwerge und Elfen: „Schickt sie weg! Das darf nicht sein!“  So wurde der arme Nemu auf einen anderen Planeten verbannt und Miriana  in  ein entferntes Feenvolk gebracht.

Beide waren sehr traurig darüber. Miriana lebte schweigend und mit leerem Blick bei ihren Verwandten. Sie konnte nicht mehr lachen und verkroch sich, so oft es ging, in ihrem Zimmer. Alle Bemühungen, sie zu aufzumuntern, waren vergeblich. Miriana verstand einfach nicht, weshalb sie und ihr Geliebter nicht zusammenleben  durften. Nemu  erging es ähnlich. Zwar arbeitete er fleißig, doch in seinem Gesichtchen konnte man den Trübsinn sehen. So vergingen Jahre der Einsamkeit.

Eines Tages entdeckte Nemu, dass es eine Verbindung zwischen den beiden Planeten gab. Nicht weit von seiner Arbeitsstelle entfernt landete ein Zwergenraumschiff. „Wenn die hierher kommen, dann müssen sie irgendwann auch wieder zurück“, rief er hoffnungsvoll. „Ich muss herausfinden, wann die Heimreise stattfinden soll“, dachte er und legte sofort sein Werkzeug zur Seite.

Abends schlich er sich an das Haus, in dem die Ältesten ihre Besprechungen abhielten. Er lauschte am Fenster. „Wir fahren also morgen, wie verabredet, zurück und werden die neuen Gesetze auch den anderen Zwergen mitteilen“, sprach da einer trocken. „Hurra, endlich gibt es eine Möglichkeit, meine Miriana wiederzusehen!“, flüsterte er. Sein Herz klopfte vor Freude  so laut, dass er Angst hatte, es könnte ihn jemand hören. Schnell lief er nach Hause, um sein Köfferchen zu packen.

Am nächsten Morgen  schlich er sich dann leise zu dem Platz, an dem die Heimreise beginnen sollte. Die Ältesten stiegen gerade ein. Nemu überlegte: „ Wie komme ich denn jetzt in das Raumschiff?“ In letzter Sekunde erblickte er eine Kiste, die hineintransportiert werden sollte. Blitzschnell verließ er den Baum, hinter dem er sich versteckte, öffnete die Kiste und legte sich hinein. Kurz danach wurde sie in das Raumschiff getragen. „Gemütlich ist es hier ja nicht gerade“, schimpfte Nemu, „ aber was tut man nicht alles, um seine Liebste wiederzusehen!“

Nach einer kleinen Ewigkeit landete das Raumschiff dann endlich. Der Zwerg wartete noch, bis alle Passagiere von Bord gegangen waren und hüpfte dann aus der Kiste. Er stülpte sie über seinen Kopf, sodass die anderen Zwerge denken mussten, er sei ein Gepäckträger. So konnte er ungesehen das Raumschiff verlassen.

Da er sich noch genau daran erinnern konnte, wohin man damals Miriana bringen wollte, rannte er gleich in das Dorf. Er versteckte sich und versuchte, seine große Liebe zu erspähen. Es dauerte nicht lange, bis er sie mit zwei anderen Feen beim Flechten neuer Haarkränze entdeckte. Jetzt weinte Nemu vor Glück. Miriana sang ein wunderschönes, aber trauriges Lied und machte sich gerade auf den Heimweg.

„Miriana, hallo mein Liebes, ich bin es, Nemu“, rief er ihr leise aus dem Gebüsch zu. Erschrocken drehte sich die zarte Fee um und entdeckte ihn. „Ich kann es nicht glauben, es ist doch wahr geworden“, jauchzte sie glücklich und rannte in seine Arme.

Nachdem sie sich erst einmal minutenlang drückten, erzählte Miriana, was hier im Feendorf geschehen war, seit er  das Land verlassen musste: „Ich wurde krank nach deiner Abreise, sehr krank. Mein Herz wurde schwach. Alle fragten mich, wie sie  mir helfen könnten. Ich sagte ihnen, dass ich nur wieder mit meinem Nemu  zusammenkommen muss. Ich machte ihnen klar, dass die Andersartigkeit  doch kein Grund sein dürfte, jemanden nicht zu lieben. Liebe kennt keine Regeln. Da sie Mitleid mit mir hatten und einsichtig waren, änderten sie die Gesetze. Ab heute dürfen Feen auch Zwerge heiraten.

„Das ist ja wunderbar“, strahlte Nemu,  „jetzt steht unserem Glück ja nichts mehr im Wege. Aber sag mal, warum haben sie mich denn dann nicht zurückgeholt?“ „Tja, weißt du,“ lachte Miriana, „die Ältesten mussten erst einmal die neuen Gesetze zu den Elfen und Zwergen bringen, bevor sie handeln konnten. Du hättest nur vertrauen müssen, dass uns unsere Herzensliebe  wieder verbinden wird. Wahre, reine Liebe führt immer wieder zusammen. Dazu muss man aber nicht unbedingt in eine Kiste steigen!“

Sie hielten sich die Bäuche vor Lachen und rannten dann schnell ins Dorf, um die Hochzeit vorzubereiten.

 


 

Teufelchen im Himmel
 
Tuschezeichnung: Elvira Walsch

Unsere Geschichte erzählt von einem kleinen Teufelchen mit dem Namen Luisa. Luisa war ein Teufelchen, ganz wie man es sich vorstellen konnte. Sie heckte immer wieder neue Streiche aus, die sie den Erdenkindern spielte.

Die Menschenkinder konnte man aber auch so gut ärgern. Eines Tages erschien Luisa dem kleinen Klaus. Mit ihm hatte sie es besonders leicht. Seine Eltern gingen beide den ganzen Tag zur Arbeit. Seitdem heckten beide einen Streich nach dem anderen aus. Sie ärgerten die ganze Nachbarschaft, sehr zum Verdruss seiner Eltern. Jeden Abend, wenn sie von der Arbeit nach Hause kamen, hörten sie neue Beschwerden über Klaus und seine Streiche. Klaus bekam daraufhin von seinen Eltern Hausarrest.

Luisa und Klaus saßen im Zimmer und überlegten, was sie wieder anstellen könnten. „Wir hauen einfach ab“, sagte Luisa zu Klaus. Der sah Luisa entgeistert an und fragte ängstlich: „Ja wohin sollen wir denn gehen?“ „Ich habe eine Idee, am Ende der Stadt ist doch dieses alte Haus leer, dort könnten wir hingehen“, sprudelten Luisas Worte heraus. Gesagt, getan. Sie packten ein paar Sachen ein und stiegen über den Balkon. Beide liefen in die Nacht hinein. Klaus hatte ein schlechtes Gewissen, er wusste, seine Eltern würden sich Sorgen machen. Aber Luisa drängte ihn zum Weiterlaufen. Klaus war so sehr mit seinen Gedanken an die Eltern beschäftigt, dass er ein Auto nicht sah. Es erfasste ihn und man hörte nur noch einen dumpfen Schlag. Luisa hatte sich schützend auf Klaus gestürzt. Der Autofahrer hielt sofort an. Aufgeregt rief er den Leuten, die den Aufprall gehörte hatten und aus dem Haus gelaufen kamen zu: „Holt schnell einen Krankenwagen!“ Der traf ein paar Minuten später ein. Der Sanitäter untersuchte Klaus und brachte ihn ins Krankenhaus. Dort verständigte man auch seine Eltern, die daraufhin aufgeregt in die Klinik kamen. Der Arzt beruhigte sie und sagte, dass Klaus Glück gehabt hätte. Er habe nur einen Fuß gebrochen und ein paar Quetschungen erlitten. Der Arzt war überzeugt davon, dass Klaus einen Schutzengel bei sich hatte. Die Eltern von Klaus saßen noch eine Weile am Bett und unterhielten sich leise. Sie beschlossen, dass die Mutter ihre Stelle aufgeben wird, um mehr Zeit für Klaus zu haben. Nachdenklich und erleichtert zugleich verließen sie das Krankenhaus.

Zur gleichen Zeit wachte das kleine Teufelchen Luisa auf. „Wo bin ich, was ist passiert?“ fragte sie und schaute sich um. „Du bist im Himmel, wir sind alle Engel,“ sprach der Engel, der Luisa gepflegt hatte, leise. „Wo bin ich? Im Himmel? Aber das geht doch nicht. Ich bin ein kleines Teufelchen, mein Name ist Luisa. Das ist ein Irrtum, ich glaube ich träume!“ Der Engel schaute Luisa ungläubig an und holte den Engelvorsteher herbei. Der sah das Teufelchen an und konnte sich den Irrtum nicht erklären. „Meine kleine Luisa, „jetzt wo du schon mal hier bist, kannst du doch bei uns bleiben“, redete er beruhigend auf die Kleine ein. „Das muss ich mir erst noch einmal überlegen“, sprach Luisa, „jetzt möchte ich erst mal schlafen.“

Der Vorsteher und der Engel verließen das Zimmer, um zu Petrus zu gehen. Sie berichteten Petrus von dem Irrtum. Petrus lächelte und dachte: „So, so, jetzt hat sich ein Teufelchen also in den Himmel verirrt. Das wäre eine schöne Aufgabe.“ Er antwortete dem Vorsteher und dem Engel, die abwartend dastanden: „Da Luisa nun mal hier ist, könnten wir doch aus einem Teufelchen einen Engel machen. Es wird bestimmt keine leichte Aufgabe, wollt ihr mir dabei helfen?“ Fragend schaute er die beiden an. Lächelnd stimmten sie zu.

Es verging eine lange und harte Zeit für die Engel im Himmel. Luisa heckte immer neue Streiche aus und brachte alles durcheinander, was man im Himmel durcheinander bringen konnte. Alle waren schon so verzweifelt, dass sie nicht mehr wussten, was sie noch mit Luisa anstellen sollten. Petrus hatte eine Idee. Er ließ Luisa zu sich kommen und flüsterte ihr etwas ins Ohr.

Von dem Tag an war Luisa wie ausgewechselt. Sie lernte ihre Aufgaben, heckte keine Streiche mehr aus, war zu jedem lieb und freundlich. Die Engel rätselten, was Petrus wohl zu Luisa gesagt hat. Aber keiner hat es je erfahren, bis zu dem Tag, an dem Luisa mit der Schule fertig war. Sie hielt stolz ihr Schutzengel-Diplom in den Händen und stürmte zu Petrus. Der sah den glücklichen Engel an und sagte: „Jetzt haben wir es also doch noch geschafft. Aus dem kleinen Teufelchen Luisa ist ein stolzer Schutzengel geworden. Wir hätten alle nicht gedacht, dass du es schaffen würdest, jetzt werde ich mein Versprechen einhalten. Du darfst ab sofort der Schutzengel von deinem Freund Klaus sein. Morgen fliegst du auf die Erde, um ihm sein Leben lang zur Seite zu stehen. Freudestrahlend umarmte Luisa Petrus und rief: „Danke, vielen Dank für eure Mühe und euer Vertrauen, ich weiß, ich habe es euch nicht gerade leicht gemacht. Dafür möchte ich mich bei euch entschuldigen“. Petrus lächelte und sagte: „Ist schon gut, meine Kleine“.

Am nächsten Morgen flog Luisa direkt zu Klaus. Der saß im Garten und machte Hausaufgaben. Von weitem rief Luisa: „Hallo, mein Freund, ich bin es, Luisa, kennst du mich noch?“ Klaus stand auf und sah einen Engel auf ihn zufliegen. Er traute seinen Augen nicht und fragte verwundert: „Du bist ein Engel und kein Teufelchen mehr, wie geht das denn?“ Luisa strahlte, bewegte stolz ihre Flügel hin und her und sprach: „Mein lieber Freund, das ist eine lange Geschichte, Komm setzen wir uns, ich werde sie dir erzählen. Wir haben viel Zeit dazu, denn jetzt können wir für immer zusammenbleiben.





Die Mutprobe

Die kleinen Zwerge vom Zwergenland Immergrün feierten jedes Jahr ein Fest. Alle Zwerge mussten an diesem Tag eine Mutprobe bestehen. Die Zwerge, die sie bestanden hatten, wurden in den Clan der Erwachsenen aufgenommen. Sie durften dann bei Versammlungen mitbestimmen und Entscheidungen treffen.

Die Zwerge waren alle aufgeregt, denn die Prüfung war nicht leicht, das wussten alle. Die Zwergenfreunde  Mirco und Daniel saßen am Rande des Festplatzes auf einem Baumstamm. Sie unterhielten sich über ihre Freundschaft und über die Kräfte, die sie besaßen. Daniel und Mirco versprachen sich ewige Freundschaft. Sie würden, egal was geschehen wird, zusammenhalten. Der Älteste rief alle Teilnehmer der Prüfung zusammen. Daniel und Mirco gaben sich noch einmal die Hände und gingen zu den anderen zurück. Die Zwerge lauschten aufgeregt den Worten des Ältesten:“ Die Prüfung besteht darin, dass ihr eine Woche lang im Wald lebt und anderen Lebewesen, ob Tier oder Mensch, Hilfe leistet.  Das  war keine leichte Aufgabe für die kleinen Zwerge, denn sie waren noch niemals alleine im Wald gewesen. Manche hatten ganz schön Angst, andere freuten sich aber auch auf das Abenteuer. Einige wussten  nicht, ob sie überhaupt noch mitmachen sollten. Aber jetzt war es zu spät. Der Älteste gab das Zeichen zum Start.

Die Zwerge waren ausgestattet mit Brot, Wurst und Wasser, einem Messer und einer Taschenlampe. Daniel und Mirco liefen die erste Strecke zusammen. Dann trennten sie sich. Daniel lief weiter und kam an einem Bach an. Er füllte seine Flasche und setzte sich ans Ufer. Nach einer Weile kam eine Rehmutter zu Daniel. Sie fragte höflich:“ Hast du mein Kind gesehen?“ Daniel verneinte und fragte mitfühlend:“ Wo hast du es denn zuletzt gesehen?“ Das Reh war den Tränen nahe und schluchzte:“ Hier, es war hier am Fluss“. Daniel versprach der Mutter Hilfe. Also gingen die beiden los, um das Rehkitz zu suchen. Sie gingen getrennte Wege. Nach kurzer Zeit hörte Daniel ein leises Wimmern. Er ging dem Geräusch nach und sah das kleine Reh  in einer Falle liegen. Er eilte gleich zu dem Kleinen, half ihm aus der Falle und versorgte seine Wunden mit Kräutern vom Wald, denn das hatten die Zwerge gelernt. Dann rief er laut nach der Mutter, die schnell herbeieilte. Sie war sehr glücklich, dass ihrem Kind nicht mehr passiert war und bedankte sich bei Daniel. Der verabschiedete sich und zog zufrieden seines Weges.

Er durchstreifte lange den Wald, um einer neuen Aufgabe zu begegnen. Langsam machte ihm die Sache Spaß. In einer Lichtung entdeckte er eine Farm. Daniel  verspürte plötzlich den Drang, näher an den Hof heranzugehen. Er wusste zwar nicht genau warum, aber er verließ sich auf sein Gefühl. Er schlich sich hinter einen Baum und beobachtete die Menschen, die dort lebten. Es waren scheinbar einfache Bauersleute, die viel Arbeit hatten. Er sah Pferde, Kühe und Hühner sowie eine Bauersfrau, die gerade Wäsche aufhängte. Ein bärtiger Mann arbeitete mit seinem Sohn hart auf dem Feld. Kinder spielten dort. „Hier könnte man doch helfen“, flüsterte er. Doch irgendetwas hielt ihn zurück, hier tatkräftig seinen Einsatz zu zeigen.

Daniel schlich sich also näher heran, um herauszufinden, was sich hier abspielte. Er nahm seine grüne Zipfelmütze ab und lauschte angestrengt den Gesprächen. Viel konnte er nicht verstehen, da die Kinder laut lachten. „Aber da ist doch noch eine andere Stimme“, dachte er jetzt besorgt, „die kenne ich doch!“ „Hilfe, Hilfe, kann mir keiner helfen?“ rief da jemand jämmerlich.“ Mirco! Das ist ja Mirco! Nur weil wir Zwerge so klein sind, sind wir doch keine Spielzeuge!“, schrie Daniel entsetzt. Er sah, wie ihn die Kinder hin und her warfen. Daniel blieb für einen Moment sein kleines Zwergenherz stehen. Er fasste sich aber schnell wieder und begann zu überlegen, wie er seinen Freund retten könnte. Im gleichen Augenblick gingen die Kinder zurück ins Haus, da es schon dunkel wurde. „Er hat bestimmt hier bei der Arbeit geholfen, so wie es unser Ältester wollte. Und dann haben ihn die Kinder zum Spielen benutzt“, weinte das Zwerglein. „So, jetzt ist Schluss damit, Tränen helfen ihm jetzt auch nicht! Ich werde jetzt in das Haus gehen und ihn suchen“, sagte er mutig.

So krabbelte er durch den Fensterspalt in das Haus. Im Kinderzimmer angekommen, konnte er leider nichts sehen, denn die Kinder schliefen schon. Rufen war auch unmöglich, denn dadurch hätte er wahrscheinlich die Kinder geweckt. Mutlos irrte er umher, blieb dann aber stehen und erinnerte sich: „Hat uns der Älteste nicht vor langer Zeit gelehrt, dass man, wenn man ganz fest an jemanden denkt, auch gedanklich mit ihm verbunden sein kann?“ Das war seine letzte Hoffnung und er versuchte es. Er schloss die Augen und dachte: „Mirco, gib mir eine Antwort, wo bist du?“ Er vernahm deutlich die gedankliche Rückmeldung: „Hier bin ich, unter der Zudecke! Du stehst genau vor dem Bett!“ Blitzschnell kletterte er hinauf, schob die Decke vorsichtig Stück für Stück hoch, bis Mirco herausspringen konnte. Hand in Hand polterten sie, so schnell sie konnten, aus dem Haus in den Wald hinein.

Sie umarmten sich glücklich und Daniel strahlte: „Wir sind wirklich die besten Freunde, sonst hätte das wohl nicht funktioniert." Zu Hause erzählten sie, was sie erlebt haben. „Das habt ihr toll gemacht“, sprach der Älteste stolz, „ihr habt die Prüfung bestanden.“





Der ungehorsame Engel

Es war einmal ein kleiner, neugieriger Engel. Zwar sang er brav im Engelschor mit und versuchte auch sonst nicht aus der Reihe zu tanzen, aber es reizte ihn sehr, einmal durch ein Fernrohr auf die Erde zu schauen.

Er wusste, dass es verboten war, doch am nächsten Tag nach der Chorprobe konnte er der Versuchung nicht widerstehen. Er besorgte sich heimlich ein Fernrohr, schaute sich um, ob ihn ja keiner sehen konnte und wagte einen Blick auf die Erde.

Eine Weihnachtsaufführung wurde gerade geprobt. Ein kleines Mädchen zog sich ein prächtiges Engelskostüm an und sang dann wunderschöne Weihnachtslieder. „Oh wie herrlich, so ein Kleid möchte ich auch gerne haben“, dachte der Engel. Minutenlang betrachtete er es und stellte sich vor, wie er darin aussehen würde.

„Ich habe genug gesehen“, beschloss der Engel und lief aufgeregt zu seinen Freunden. „Was glaubt ihr, was ich auf der Erde entdeckt habe?“, fragte er kokett. „Was, du hast durch das Fernrohr geschaut? Na, das gibt Ärger! Du weißt doch, dass es verboten ist!“, rügte ihn einer der Engelschar. „Einmal ist keinmal“, grinste der Gesetzesbrecher, „wir brauchen ein neues Kleid! Unsere tragen wir doch schon eine Ewigkeit. Warum sollen wir immer dasselbe tragen, wo es auf der Erde so tolle Gewänder gibt?“ Er schilderte das, was er gesehen hatte so schillernd, dass schließlich einige der Engel ihre Grundsätze aufgaben und ihm zustimmten. Ein großer Tumult brach aus und jeder redete auf jeden ein, bis der Engelvorsteher herbeigeeilt kam. „Was ist denn hier los? Was ist denn das für ein Geschrei? Schließlich sind wir hier im Himmel!“, brüllte er streng. „Wir brauchen ein neues Kleid, so ein schönes, wie sie es auf der Erde tragen“, riefen einige der Engel. Aha, da hat einer also das Verbotene getan“, erkannte der Vorsteher. „Ja habt ihr denn schon vergessen, dass man nicht eitel sein darf? Und schon gar nicht neidisch auf etwas, das ein anderer besitzt? Derartiges hat es im Himmel noch nie gegeben!“, wies er sie zurecht.

Die Engelschar begann, sich zu besinnen. Demütig entschuldigten sie sich für den Ausrutscher.

„Na, ich werde mal Gnade vor Recht walten lassen, aber ganz ohne Strafe kommt ihr nicht davon! Dass das nicht noch einmal vorkommt, wird jeder Engel, der nach dem Kleid getrachtet hat, auf die Erde geschickt werden, um eine gute Tat zu vollbringen!“, befahl der Vorsteher. Oh, das passte den Engeln gar nicht, denn im Himmel hatten sie ja alles, was sie brauchten: Zufriedenheit, Selbstlosigkeit, Liebe und Reinheit. Sie wussten, dass sie diese himmlische Ruhe auf der Erde nicht hatten. Aber es half nichts. Sie wurden bald dorthin gebracht und warteten, dass ein Mensch sie um Hilfe rief.

Aus diesem Grund und vielen anderen werden immer wieder Engel auf der Erde sein, um Menschen ihre Hilfe anzubieten. Wenn ihr also glaubt, einen Engel zu brauchen, dann ruft ihn. Lasst euch helfen, denn das ist die Aufgabe der Engel. Sie tun es gerne, denn sie lieben die Menschen, wie Gott uns liebt.